Politik versagt beim ÖPNV auf dem Land

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Die Politik verspricht auf allen Wahlveranstaltungen den Erhalt und Ausbau des öffentlichen Personenverkehrs (ÖPNV). Jeder weiß, dass Mobilität gerade in ländlichen Regionen zur Daseinsfürsorge gehört. Aber außer zeitraubenden Schulbusfahrten wird wenig mehr geboten. Seit Jahren ist keine Verbesserung in Sicht. Die Bevölkerung ist in jeder Altersgruppe auf ihre eigenen Fahrzeuge angewiesen. Und die Jugend zieht es in die Ballungsräume, die mehr bieten als gelegentliche Dorffeste und die ein eigenes Fahrzeug überflüssig erscheinen lassen.

Eine Lösung des Problems erforderte ein Umdenken. Ein realistisches Konzept wissenschaftlicher Mobilitätsforschung stünde auf zwei Säulen, die auf privatwirtschaftlicher Basis neben dem staatlich subventionierten Schulbusverkehr angeboten werden müssten:

  1. Ein im regelmäßigen Takt angebotener Zirkularverkehr zur Bedienung der häufigsten gewünschten Erledigungsorte (Kreis- und Gemeindeverwaltungen, Einkaufzentren, Bahnhöfen, etc) und
  2. ein Carsharing von Fahrzeugen oder traditionelle Ruftaxis, die an ausgewählten Haltepunkten bereitstehen.

Beide Angebote werden mit einer App auf dem Smartphone abgerechnet.  Natürlich werden auch die Carsharing-Bereitstellung und die Ruftaxis über die App des Smartphones aktiviert.

Das Konzept hat den besonderen Vorteil, dass Elektromobilität auch im ländlichen Raum eingeführt werden kann. Schließlich wird eine Wiederaufladung der Batterien am Betriebshof des Flottenanbieters gesichert, da die digitale Steuerung die Fahrzeuge vorüber gehend aus dem Angebot nimmt, wenn der Wiederaufladepunkt erreicht ist.

Das Angebot von Ruftaxis würde auch die verzweifelten Versuche mancher Landräte überflüssig machen, den Jugendlichen einen Besuch kultureller Veranstaltungen inklusiv der Diskobesuche mit subventionierten Nachtfahrten zu ermöglichen.

Dieses Konzept regt an, auch an eine Perspektive für die künftige Mobilität im ländlichen Raum zu denken. Sollte die technische Entwicklung des Automobilwesens in absehbarer Zukunft autonome Antriebstechnik ermöglichen, würde das Carsharing von Fahrzeugen einen ungeahnten Aufschwung nehmen. Carsharing ohne Suche des irgendwo parkenden Fahrzeugs und suchen nach dem Übergabeort, was mithilfe autonomer Antriebstechnik realistisch wäre, könnte den ÖPNV auf dem Land entlasten. Bis diese Vision eine Erscheinung des praktischen Alltags wird, dürften mindestens fünf Jahre vergehen. Denn die derzeit von der KFZ – Industrie propagierten autonomen Lösungen sind nichts anderes als marketinggerecht verpackte Assistenzsysteme.

Ein solcher Blick in die Zukunft der Mobilität hat aber nur dann eine Chance zur Verwirklichung, wenn die KFZ – Industrie sich statt auf Marketingaktivitäten auf Investitionen in den technischen Fortschritt stützt.

Prof. Dr. habil. Claus C. Berg

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