Es gibt aktuell folgende Entwicklungen:

  1. Online-Handel löst zunehmend Offline Handel ab,
  2. same day delivery und same hour delivery lösen next-day delivery ab,
  3. Daten sind wichtiger als Kosten,
  4. Mobilitätsverhalten ändert sich weg vom Auto hin zu Fahrrad und ÖPNV,
  5. Umweltbelastungen führen zu Forderungen nach alternativen Fahrzeugantrieben.

Diese genannten Entwicklungen beeinflussen die Struktur unseres Lebens sehr nachhaltig, teilweise mehr als von den führenden Unternehmen der betroffenen Branchen es wahrhaben wollen; die Digitalisierung hat die Industrialisierung als Phase abgelöst.

Die Einführung des Smartphones war eine Revolution, die der Nutzung digitaler Angebote einen immensen Schub verliehen hat, da ubiqutär verfügbar. Dies beförderte den Onlinehandel, der zunächst zu einem Wachstum im Paketaufkommen geführt hat. Gleichzeitig stieg die Transparenz speziell auf der Preisebene und leitete damit einen ruinösen Margendruck auf den Offline-Handel aus.

Verstärkt wurde diese Entwicklung durch das Aufkommen von Plattformen, die durch ein extrem breites Sortiment immer mehr Kunden gewinnen, selbst aber nur einen Bruchteil des Geschäftes physisch selbst erbringen, sondern sich Partnerunternehmen bedienen und Provisionen berechnen. Der Vorteil der Plattform liegt unter anderem im immensen Datenaufkommen und der Analyse hieraus, die dazu führt, dass das Bestellverhalten der Kunden statistisch sicher vorausgesagt werden kann. Um das Datenvolumen weiter zu erhöhen, nehmen die Plattformen sich des Bedarfes des täglichen Lebens an und führen same day delivery und same hour delivery ein.

Die Datengewinnung steht ganz generell im Fokus der Digitalisierung und führt auch dazu, im Handel dem Kunden die Ware nach Hause zu liefern, ganz nebenbei wird dabei der Wettbewerb abgeschirmt.

Immer mehr Kunden nehmen dieses Angebot dankend an, zumal in urbanen Regionen immer weniger Menschen ein Auto besitzen, einerseits aus finanziellen Gründen – so kann man sich in München entweder ein Auto oder eine Wohnung leisten – andererseits aber auch aus Gründen der Statusverschiebung – ein Auto ist immer weniger ein Statussymbol. Für den Handel bedeutet dies, dass immer weniger Kofferräume für den Transport des Einkaufs auf der letzten Meile zur Verfügung stehen.

Last but not least ist der Umweltschutz und die Feinstaubbelastung ein Treiber für alternative Antriebe von Fahrzeugen einerseits und für das autonome Fahren andererseits, denn es ist zu erwarten, dass dadurch die Fahrzeugdichte drastisch reduziert werden könnte, wenn kaum noch jemand ein eigenes Fahrzeug besitzt – das statistisch zu 95 % nicht bewegt wird und Parkraum belegt – und der Mobilitätsbedarf durch automatisierte Ruftaxis abgebildet werden könnte, die selbstverständlich auch für den Gütertransport eingesetzt werden können.

Dies alles führt dazu, dass Warenbestände vermehrt in der Nähe des Kunden vorgehalten werden müssen und nachgeordnet kaskadenmäßige Nachschubsysteme stehen müssen. Parallel wird die Entwicklung des 3D-Druckes vermehrt individuelle Produkte, aber auch Ersatzteile direkt vor Ort herstellbar machen und damit eine Lagerung und einen Transport gänzlich überflüssig machen.

Dr. Thomas Steinmüller, CapTen AG