Die starke Erweiterung der Produktspektren in Kombination mit dem stagnierenden Nachfragewachstum in den Märkten der Industrienationen führt zu sinkenden Produktionsvolumen je angebotener Variante und starken Schwankungen des Typ-Mengen-Mix. Folglich werden flexible Produktionsprozesse benötigt, die in der Lage sind, die Kundenaufträge trotz hoher Variabilität und kleiner Serien effizient zu erfüllen. Ein Ansatzpunkt zur Effizienzsteigerung unter den Gesichtspunkten schlanker Produktion ist eine objektorientierte statt einer verrichtungs­orientierten Organisation der Prozesse, wobei die Fließfertigung die konsequenteste Form der Objektorientierung darstellt.

Das Ziel des Forschungsvorhabens war es, eine Methodik zur Entwicklung von Fließkonzepten für die variantenreiche Kleinserie zu entwickeln, die es ermöglicht, unterschiedliche Produktvarianten auf einer Fließlinie herzustellen, ohne eine signifikante Reduktion der Effizienz der Linie in Kauf nehmen zu müssen. Der angestrebte Ansatz war dabei, das vorliegende Produktspektrum sowie die vorliegenden Kundenaufträge hinsichtlich ihrer Ähnlichkeit zu untersuchen. Basierend darauf konnten für diese homogenen Austaktungsfamilien gebildet werden, sodass diese jeweiligen Familien auf einer Fließlinie produziert werden können. Bestehende Ansätze zur Gestaltung von Fließlinien betrachten im Wesentlichen die Austaktung als zentralen Punkt der Planung. Die hier entwickelte Methodik der familienbasierten Austaktung integriert mit der Bildung der Austaktungsfamilien einen der Austaktung vorgeschalteten Schritt. Dieser identifiziert solche Produktfamilien, die hinsichtlich ihrer Anforderungen an die Austaktung der Fließlinie homogen sind und somit tendenziell ohne signifikante Effizienzverluste produziert werden können.

Im Rahmen des Projektes „MicroBatchFlow“ konnte gezeigt werden, dass eine familienbasierte Austaktung einer Variantenfließlinie bei hoher Variantenvielfalt deutliche Effizienzgewinne gegenüber der klassischen, auf dem mittleren Typ beruhenden Austaktung generiert. Des Weiteren wurde die Lösungsmethodik mit explizitem Fokus auf die Anwendbarkeit im KMU-Umfeld entwickelt, sodass sich die Ergebnisse durch eine hohe Praxisrelevanz und Anwendbarkeit auszeichnen.

David Lenze, Institut für Produktionssysteme (IPS), TU Dortmund