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Der Super Stau Gau droht auf den wichtigsten Verkehrsadern Deutschlands. Der Wirtschaftsverkehr wird die Mobilität ersticken. Das Wachstum von Industrie und Handel führt zu stetig ansteigenden Gütertransporten, welche die nicht in gleichem Maße erweiterbare Verkehrsinfrastruktur  überfordern werden. Hinzu kommt der marode Zustand von Straßen und Brücken, die zum schnellen Ausfall zentraler Verkehrsverbindungen führen können. Die befürchtete Grenzüberwachung an der Route nach Italien dürfte im Vergleich dazu  das weitaus geringere Problem sein.

Diese Situation ist seit Jahren absehbar. Umso erschreckender ist, wie die Politik sehenden Auges dieser Entwicklung hilflos zuschaut. So sind selbst großzügige Finanzhilfen des Bundes zu Erhaltung und Neubau von wichtigen Verkehrsverbindungen teilweise unwirksam, weil die Länder in eigener Regie die Mittel in Umgehungsstraßen und dem Straßenausbau in ländlichen Bezirken einsetzen, was auch einem parteipolitischen Kalkül unterliegt. Aber diese in einem föderalen System kaum vermeidbaren Dysfunktionalitäten sind vergleichsweise gering gegen eine Grundsatzentscheidung des Bundes, die seit bald zwei Jahrzehnten jede verkehrspolitische Maßnahme zur Entlastung des Straßenverkehrs fragwürdig erscheinen lässt.

Die Bahnreform, die in Stufen von 1994 und 1999 mit der Gründung der Deutschen Bahn AG den Privatisierungsprozess abschloss, sollte der Steigerung der Wirtschaftlichkeit und der Zukunftsfähigkeit des wichtigsten Verkehrsmittels seit Ende des 2. Weltkriegs dienen. Wirtschaftlichkeit eines Unternehmens dient aber nur dann dem Gemeinnutz einer Gesellschaft, wenn der Wettbewerb vergleichbarer Leistungsangebote dem Kunden Vorteile bietet. Was im Personenverkehr zumindest im Fernverkehr durchaus erfolgreich umgesetzt wurde, konnte aber im Güterverkehr nicht realisiert werden. Der Wirtschaftsverkehr wanderte auf die Straße ab und das bis heute.

Die Deutsche Bahn AG gleicht einem einäugigen Zyklopen, der nicht sieht, dass der Güterverkehr eigene Gesetze hat, die mit der unter der Holding angesiedelten DB Netz AG nicht zu bewältigen sind. Der Kombiverkehr als eher traurige Variante eines Güterverkehrs auf der Schiene hat mit seiner inflexiblen Serviceleistung auch den Schwerlastverkehr auf die Straße gezwungen. Ein Transport von Paketen im Nachtsprung soll hier erst gar nicht erwähnt werden. Die Dramatik dieser Fehlentwicklung gewinnt besondere Bedeutung, wenn man die Auswirkungen auf die Umweltbelastung in Betracht zieht. Schließlich steht immer noch ein Schienennetz zur Verfügung, das bereits zu ca. 95% elektrifiziert ist.

Ganz offenbar ist die Politik als Eigentümer der Bahn nicht in der Lage, Fehler einzusehen und unter dem Druck der sich abzeichnenden Entwicklung eine Reorganisation anzupacken. Lieber verschwendet man Steuergelder zur Förderung privater elektromobiler Kraftfahrzeuge um die gedankenlose Zielvorgabe von einer Million E- Mobilen doch noch zu erreichen. Der angestrebten Reduzierung der Umweltbelastung wird ein Bärendienst geleistet, da der Hauptverursacher Wirtschaftsverkehr im Fern- und Nahverkehr ungeschoren bleibt. Das ist ein perfektes Beispiel für ein Durchwursteln ohne Plan.